PSYCHE

Unerfüllter Kinderwunsch

Wenn der Kinderwunsch zum Albtraum wird

Jedes 7. Paar in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Diese Problematik kann beim einzelnen zu Phasen führen, in denen sich die betroffenen psychisch stark belastet fühlen. Viele Paare empfinden Diagnose, Behandlung und Misserfolge als große Bürde und leiden dementsprechend darunter. Diese Rubrik befasst sich mit Möglichkeiten der Bewältigung. Verschiedene Optionen werden erläutert und vorgestellt, die Ihnen helfen können, mit Ihrer individuellen Situation umzugehen.

Gute Freunde können helfen…

Je länger ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt, um so größer wird die Belastung für das Paar. Nahestehende Personen können in dieser turbulenten Zeit zu wichtigen Ansprechpartnern werden. Freunde und Familienmitglieder können helfen, psychische Belastungen und emotionale Tiefpunkte zu überstehen und zu verarbeiten.

Aber im Kreise der Freunde und Freunde wird es auch Personen geben, denen es schwer fällt, mit dieser schwierigen Situation umzugehen. Häufig wird man gut gemeinte Ratschläge zu hören bekommen, auf die man gerne verzichten würde. Andere Personen sind dagegen einfühlsamer und verzichten auf Kommentare wie „Entspannt euch, dann klappt es“. Eine richtige Fruchtbarkeitsstörung hat nichts mit Entspannung zu tun. Die Situation kann dadurch evtl. erleichtert werden, doch die Symptome bleiben bestehen und können ohne Behandlung nicht eben so geheilt werden.

Unerfüllter Kinderwunsch

Hilfe annehmen…

Manchen Paaren fällt es schwer, um Hilfe und Unterstützung zu bitten. Sie ziehen sich dann zurück und nehmen Abstand zu Freunden und Familie. Die Krise wird zur Belastungsprobe- vermutlich die erste für das Paar. Dann ist es besonders wichtig, sich bewusst zu machen, dass Unfruchtbarkeit kein Grund ist, sich zu schämen oder Vorwürfe zu machen. Wichtig ist, dass das Paar Kommuniziert und die Beziehung lebendig sein lässt, indem man auch über positives spricht und nicht ausschließlich negative Gefühle und Erfahrungen zur Sprache bringt. Auch darf der Humor nicht auf der Strecke bleiben und das Paar sollte sich Zeit für sich nehmen.

Dennoch sollte der Lebenspartner nicht die einzige Ansprechperson sein. Auch der Partner braucht Unterstützung und muss entlastet werden. Deswegen sind Freunde oder Familienmitglieder wichtig, die genügend Einfühlungsvermögen besitzen, um in der schweren Zeit eine Stütze zu sein. Wer lieber oder zusätzlich auf professionelle Hilfe bauen möchte, sollte diese auch suchen. Nur so lässt es sich vermeiden, dass man aus dem seelischen Gleichgewicht gerät. Für diesen Zweck gibt es psychologische und psychosoziale Lebensberatung.

 

Kommunikation kann helfen

Manchen Paaren hilft es über die schwere Zeit hinweg, wenn sie sich mit anderen Betroffenen austauschen. Die Kontaktaufnahme kann auf unterschiedliche Weisen erfolgen. Sehr oft trifft man zufällig ein Paar im Wartezimmer oder in der Kinderwunschklinik, welches sich in einer ähnlichen Situation befindet. Oft tauscht man sich auch außerhalb der Klinik aus und unterhält sich über die Behandlungen, die Geschehnisse und Gefühle. Gerade, wenn man sich in der Phase von Untersuchung, Diagnose und Behandlung befindet, können solche Kontakte persönlich weiterhelfen.

Viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch schöpfen Hoffnung und Mute aus den Geschichten anderer Paare. Oft hilft ein solcher Kontakt aus der emotionalen Isolation heraus, denn manche Paare kapseln sich von Freunden und Familie ab. Schicksalsgefährten kennen die Situation, haben sie ähnlich selbst erlebt und können deshalb andere Ratschläge erteilen, als dies nicht betroffene Personen können. Trost gibt es insbesondere dann, wenn dieses Paar von Erfolgen sprechen kann.

Doch sollte man vorsichtig sein und sich bewusst machen, dass sich jedes Paar in einer individuellen Situation befindet. Selbst wenn das befreundete Paar eine ähnliche Geschichte zu erzählen hat, unterscheidet sie sich dennoch stark von der eigenen. Man kann niemals sagen, ob sich die Situation ähnlich entwickelt oder einen ganz anderen Verlauf nimmt.

Manche Schicksalsgefährten bieten gezielt ihre Hilfe an. Sie haben nicht nur selbst Erfahrungen gesammelt, sondern wissen auch, wie es vielen anderen Paaren ergangen ist. Deswegen ist die Unterstützung, die sie bieten etwas objektiver und somit sehr wertvoll. Andere Paare können oft nur subjektive Informationen weitergeben, denn sie können nur von eigenen Erfahrungen berichten. Dann kann es passieren, dass man die Frustration des anderen Paares auf sich überträgt oder beginnt, sich falsche Hoffnungen oder Vorstellungen zu machen. Die Geschichten sind häufig einseitig, denn oft werden negative Erfahrungen verstärkt vermittelt. Man könnte dann schnell den Eindruck gewinnen, die negativen Ergebnisse würden überwiegen, auch wenn in vielen Fällen der Kinderwunsch schlussendlich erfüllt wird.

Jeder Mensch ist individuell und jeder verarbeitet Glück und Leid unterschiedlich. Viele Menschen, die mit der Kinderwunschbehandlung Erfolg hatten und ein Kind bekommen haben, befinden sich in einer neuen Lebensphase. Oft vergessen sie darüber, ihre Geschichte mit anderen zu teilen, die den Weg noch gehen müssen. Deshalb kann es manchmal den Anschein machen, dass mehr Paare über negative Erfahrungen berichten können, als über gute. Wenn man sich dies vor Augen hält, dann ist der Austausch mit anderen betroffenen sehr wertvoll.

Selbsthilfe bei Unfruchtbarkeit

Aus dem Tal der Tränen finden…
Neben professioneller Hilfe und dem Austausch mit anderen Betroffenen und Freunden ist es auch wichtig, Wege der Selbsthilfe für sich zu finden. Eine gute Vorbereitung auf die vielen Untersuchungen und Behandlungen ist dabei sehr bedeutend. Schon zu Beginn der Behandlungen sollte man sich also ausreichend informieren und sich somit vorbereiten.

Im Laufe der Zeit kann es zu zahlreichen Rückschlägen kommen, die man am besten überwindet, wenn man sich gut vorbereitet hat und die Situation auf diese Weise realistisch betrachten kann. Da die Thematik so umfangreich und breit gefächert ist, sollte man sich selbst nicht überfordern und sich jeweils nur mit den Sachverhalten beschäftigen, die wichtig und aktuell sind, oder demnächst wichtig werden können.

Es gibt sehr viele Aspekte, die Fruchtbarkeitsprobleme betreffen können. Welche genau das jeweilige Paar betreffen ist individuell. Fakt ist aber, dass niemand von allen Aspekten betroffen sein kann. Daher sollte versucht werden, negative Erfahrungen von anderen Paaren nicht auf sich zu projizieren. Schnell könnte man den Eindruck gewinnen, diese überwiegen. Dadurch verliert man schnell den Mut. Deswegen ist es sinnvoll, sich vor Augen zu halten, dass viele Paare durch die richtige Behandlung ein Kind bekommen haben.

Jeder kann sein emotionales Wohlbefinden auch ein Stück weit selbst beeinflussen. Die Geschehnisse kann man umso besser verarbeiten, je mehr man sich Zeit für sich selbst nimmt und sich um sich selbst kümmert. Wichtig ist, Stress abzubauen und etwas zu unternehmen, was einem gut tut. Eine relativierende und positive Grundhaltung kann ebenso zu emotionalem Wohlbefinden beitragen.

Mit Rückschlägen umgehen können

Methoden, mit Rückschlägen, Stress und Trauer umzugehen, sind individuell. Dem einen hilft es, ein Tagebuch zu führen, oder Gedichte zu schreiben. Wieder andere können Stress am Besten bei der Arbeit oder beim Sport abbauen. Die Strategien zum Stressabbau sollen helfen, dass man sich hinterher besser fühlt. Egal, wie man mit der Situation umgeht, man sollte dennoch immer die Trauer zulassen. Manchen Paaren hilft es, diese Gefühle in Form eines Briefes niederzuschreiben. Dies kann nach einer Fehlgeburt, nach eintreten der Periode oder nach einem fehlgeschlagenem Befruchtungsversuch sein. Jeder Verlust darf und soll betrauert werden.

Zu guter Letzt sollen Paare nicht vergessen, dass sie sich auch an alltäglichen Dingen erfreuen. Oft wird dies im Planungsstress und aufgrund von Behandlungen und Untersuchungen vergessen. Niemand sollte sich in dieser Zeit Spaß, Freizeitvergnügen und Reisen verbieten.

Professionelle Hilfe suchen

Um Angst, Schmerz und Verunsicherungen zu mindern, braucht man Hilfe. In erster Linie ist das der Partner, aber auch Freunde, Verwandte und Schicksalsgefährten können in dieser schwierigen Zeit helfen. Weitere Perspektiven und weitgreifende Kenntnisse eines Psychologen sind aber außerdem hilfreich.

Wer lange Zeit mit einem unerfüllten Kinderwunsch zu kämpfen hat und sich deswegen zahlreichen Behandlungen und Untersuchungen unterziehen muss, der braucht realitätsnahe Ziele und Erwartungen. Auch muss man sich bewusst die richtigen Grenzen setzen. Viele Paare sehen sich grundsätzlich dazu in der Lage, die Situation zu bewältigen. Dennoch kann ein psychologischer Berater helfen, die Situation langfristig besser zu verarbeiten.

Freunde und Familienmitglieder meinen es zwar gut, dennoch fehlt ihnen die notwendige Kompetenz in diesem Bereich. Besser gerüstet für die emotionale Zeit der Kinderwunschbehandlung sind aber Paare, die sich schon ab Beginn professionell von einem Psychologen beraten lassen.

Ein psychologischer Berater kann dem Paar aber auch als unvoreingenommene, außenstehende Person mit viel Erfahrung helfen, wenn es zu Konflikten, Gewissensfragen und Entscheidungsfindung geht. Es ist wichtig, Probleme gleich dann zur Sprache zu bringen, wenn sie auftreten. Dabei ist die neutrale Umgebung hilfreich.

Das Paar muss sich stets bewusst machen, dass die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe ein wichtiger und mutiger Schritt ist. Auch keinen Fall ist es ein Zeichen von Schwäche, wenn man sich Rat beim Psychologen holt. Man erleichtert sich dadurch die emotional turbulente Zeit.